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Was man über uns wissen sollte
Die Tuareg, ein afrikanisches Nomadenvolk, das sich von der Viehzucht und dem Karawanenhandel ernährt und ein Durchschnittsverdienst von weniger als 300 € pro Jahr hat, sehen sich selbst als freie Menschen und nennen sich Imuhar / Imajeren. Ganz so frei können sie jedoch heute nicht mehr leben. Die Gründe dafür sind ganz verschieden, aber die wichtigsten sind, dass sie durch die Ländergrenzen nicht mehr so umherziehen können, wie sie es früher gewohnt waren. Außerdem versuchen die Regierungen der einzelnen Länder, in denen die Tuareg leben, das so genannte "blaue Volk" sesshaft zu machen. Das Land, das die Tuareg momentan beanspruchen, heißt Adawalat n'kel taschek, bedeutet übersetzt: "die Erde jener, die Tamasheq sprechen". Es ist etwa fünfmal so groß wie Deutschland und umfaßt fünf Staaten (Mali, Algerien, Mauretanien, Niger, Burkina Faso).
Hier einmal die Unterschiede des Lebens der Tuareg früher und heute:
FRÜHER |
HEUTE |
- Sklavenjäger
- Sklavenhändler
- Raubritter
- Nomaden
- Reiten auf Kamelen
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- Einschränkung ihrer Freiheit
- Kampf um ihre Unabhängigkeit
- Fahrt mit dem Pick-Up
- Schulbesuch für wenige Kinder
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Situation der Tuareg
Die Tuareg sind ein Nomadenvolk in
Nord-West-Afrika, welche von den Berbern abstammen. Sie haben eine einzigartige
Kultur, welche vom Untergang bedroht ist. Aufgrund von Dürren und einer
Rebellion ist das Leben der Nomaden sehr schwer geworden. So sind sie gezwungen
sich niederzulassen, da sie von der Viehzucht nicht mehr Leben können.
Wir haben widersprüchliche Aussagen
über die Tuareg gefunden:
- Einige Quellen sagen, dass die Tuareg
diskriminiert werden,
- andere behaupten das Gegenteil.
- Das gleiche beim Verdienen des Lebensunterhalts:
- einige sprechen von Raubüberfällen und Schutzgelderpressung,
- andere
wiederum von Viehzucht.
- Die jungen Tuareg würden einerseits die Traditionen ihrer Väter übernehmen,
- andererseits lieber in die Städte
abwandern.
Probleme der Tuareg
Idealvorstellungen |
Was steht dagegen? |
Mögliche Lösungen |
| Die Tuareg wollen die Staatsgrenzen frei überqueren können! |
Die Macht- und Sicherheitsinteressen verschiedener Regierungen verhindern das freie Passieren der Grenzen. |
Inoffizieller Staat: Grenzüberquerungen an bestimmten Stellen. |
| Zollfreiheit bei Grenzüberquerungen. |
Finanzielle Verluste der Grenzländer. |
Würden sie sesshaft werden, hätten sie keine Grenzen zu überqueren. |
| Größere Schaf- und Kamelherden, mehr Weideland für die Tiere. |
Immer wiederkehrende Dürren. |
Durch Sesshaftigkeit könnten Bewässerungsanlagen errichtet werden. |
| Autonomie: die Tuareg wollen einen eigenen Staat! |
Verschiedene Staaten sind dagegen. |
Ein inoffizieller Staat würde helfen! |
Männer mit Schleier?!
Der Gesichtsschleier (tagelmust) der männlichen Tuareg ist das Kennzeichen dieses Volkes. Nicht die Frauen tragen also in dieser Kultur den Gesichtsschleier, sie gehen vielmehr unverschleiert!
Nein, in dieser Kultur sind es sonderbarerweise die Männer, die ihre Verletzlichkeit, ihre "Scham" durch einen Schleier schützen, die durch die Möglichkeiten von Ver- und Entschleierung ihren Weg gefunden haben, gegenüber ihrer Mitwelt ihr Gesicht zu bewahren. Der Schleier wird so gut wie nie abgelegt, selbst bei der Nahrungsaufnahme verhüllt er das Gesicht.
Freilich ist ihnen dabei wohl auch das Unheimliche, Bedrohliche, Abschreckende, Kriegerische, das mit einer Gesichtsverschleierung bei schwertragenden, kamelreitenden Männern verbunden sein kann, bewusst und wohl auch willkommen. Generell schützt der Schleier auch vor den heimtückischen Sandstürmen der Wüste. Doch das ist nicht der tiefere Anlass für das Tragen eines Gesichtsschleiers. "Scham", Anstand und Würde, sowie das Bestreben, sich den leichtverletzlichen Stolz nicht antasten zu lassen, gebietet den erwachsenen Männern gegenüber fremden Menschen, gegenüber Frauen- vor allem gegenüber der hochgeachteten Schwiegermutter- das Tragen eines solchen.
Im Alter von 15 Jahren bekommen die jungen Tuareg in einer feierlichen Zeremonie den Schleier überreicht.
Ruhig Blut & Tee trinken
Ein Tuaregsprichwort lautet: Was wünscht sich der edle Tuareg? Ein weißes Kamel, einen roten Sattel, sein Schwert und ein Lied beim Ahal ( Ahal: typisches Fest der Tuareg )
Ihr Charakter ist durch Eigenschaften wie Ruhe und Entspanntheit geprägt, die den Europäern kaum bekannt ist. Beispielsweise wird bei den endlosen Karawanenzügen jede freie Minute zum Teetrinken genutzt.
Außerdem sind die Tuareg ein sehr stolzes, würdevolles, zurückhaltendes, fast hochmütiges Volk, dass besonders auf Kleidung und Schmuck bedacht ist, an welche sie hohe Ansprüche stellen.
Wenn man in eine Bar geht, wird man Menschen aller möglichen Kulturen antreffen, doch nie einen Tuareg, da dieses Volk Alkohol und Rauschgift verabscheut. Auch sind sie der Meinung: Kameras und Fotos stehlen die Seele.
Ihre Körperhaltung, der fürstliche Gang und der stolze Blick drücken Eigenschaften wie Eleganz, Arroganz, Feinheit und Kraft aus.
Alles in allem sind die Tuareg ein sehr lebendiges und lebensfreudiges Volk.
Tamahaq und Tamasheq - bald Fremdsprachen an deutschen Schulen?
Die Sprache der Tuareg heißt im Norden ihrer Siedlungsgebiete Tamahaq, im Süden Tamasheq. Vokale fehlen völlig und je nach Region gibt es 21 - 27 Schriftzeichen. Die Tuareg haben keine festgelegte Schreibrichtung, sie schreiben also entweder von links
nach rechts und von oben nach unten oder umgekehrt.
Die Schrift dieses afrikanischen Nomadenvolkes heißt Tifinar oder Tifinagh.
Do You Speak Tamasheq???
Die verschiedenen Schichten der Tuareg unterscheiden sich nicht nur erheblich von ihrem Äußeren, sondern haben auch unterschiedliche Verhaltens- und Moralvorstellungen.
Die Tuareg verbindet ihre Sprache. Man sagt: Wer Tamasheq spricht, ist ein Tuareg.
Die Schichtzugehörigkeit wird matrilinear bestimmt, d. h. die Kinder gehören immer zu der Schicht der Mutter, ebenso richtet sich die Stellung des Mannes nach der der Frau.
Heiraten außerhalb der eigenen Schicht ist möglich, ausgenommen der Enaden (Schmiede), die nur Verbindungen in der eigenen Gruppe eingehen.
Auch gibt es in dem Land der Tuareg Rassendiskriminierung. Zum Beispiel ist:
- ein Araber fünf mal so viel Wert wie ein Schwarzer,
- ein Nordalgerier zwei mal so viel wie ein Südalgerier,
- ein Nordalgerier drei mal so viel wie ein Nomade
- und ein Nomade wertvoller als ein Schwarzafrikaner.
Die verschiedenen Gruppen:
Adeligen oder Noblen
Ihaggaren (im Norden) oder Imajeren (im
Süden) genannt. Traditionell besaßen sie die politische und wirtschaftliche
Macht, sie stellten den amenokal (Herrscher des Landes). Aufgaben waren die
Kamelzucht, Durchführung der Rezzus (Raubzüge) und Schutzgewährung der ihnen
unterstellten Vasallengruppen, die ihrerseits dafür Abgaben zahlen mußten. Sie
kontrollierten die Handelswege und führten die Kamelkarawanen durch.
Schriftgelehrten
Ineslemen, diese Schicht besaß genaue
Kenntnisse des Koran, ähnlich den Marabouts der arabischen Welt. Sie zahlten
keine Abgaben und waren oft den Adeligen gleichgestellt.
Vasallengruppen
Die Vasallengruppen stellen die zahlenmäßig
größte Schicht, hier seien nur die beiden wichtigsten erwähnt:
Imrad
Sie waren für die Haltung der Ziegen
verantwortlich, daraus leitete sich auch eine andere Bezeichnung für diese
Gruppe ab: Kel Ulli, die Ziegenleute. Außerdem kümmerten sie sich um die
Kamele der Adeligen und führten Karawanen durch. Sie wählten den amrar (Ältesten),
der bei der Wahl des amenokal ein Stimmrecht besaß.
Isseggaren (Haratin)
Sesshafte Oasenbauern, die einen Teil
ihrer Ernte an die Adeligen abgeben mußten.
Iklan
Auch Busu (Haussa) oder Bella (Songhai)
genannt, Nachfahren afrikanischer Sklaven, sie verrichteten früher alle
anfallenden Arbeiten für die Adeligen.
Enaden
Gruppe der Schmiede, sie stehen außerhalb
der Hierarchie, da sie mit Metall in Berührung kommen, gleichzeitig verachtet
und wegen ihrer magischen Kräfte gefürchtet. Die strengen Verhaltensnormen der
anderen Gruppen gelten nicht für sie, deswegen zieht man sie gerne für Aufträge
heran, die die anderen Gruppen aufgrund ihrer gesellschaftlichen Regeln nicht
ausführen dürfen (Übermittlung von Heiratsanträgen, Vermittlerfunktionen bei
Streitigkeiten).

Das Kamel - Eine Möglichkeit der Liebeserklärung
Das Wort "Kamel" klingt
schmeichelhaft in den Ohren der Araber. Jahrhundertelang kreisten all ihre
Gedanken nur um das eine Tier. Ist es da verwunderlich, wenn der Junge Mann
seine Angebetete in tiefer Zuneigung "mein graziles Kamel" nennt???
Die Kamele leben von Kamelkraut, einem
stachligen harten Gewächs, an dem andere Tiere zugrunde gehen würden. Wenn das
Kamel im Winter eine saftige Weide findet, braucht es zwei Wochen lang nicht
getränkt zu werden; das Kamelkraut ersetzt den Wasserverlust. Doch sollte man
die Wiederstandsfähigkeit der Kamele nicht überschätzen. Die Tiere brauchen
täglich ihr Futter, und im Sommer wollen sie alle drei bis vier Tage trinken,
und das nicht wenig. Ein durstiges Kamel saugt 150 Liter Wasser auf einmal in
sich hinein, trägt also seinen Wasservorratsbehälter im eigenen Magen mit sich
umher.
Ohne das Kamel hätte der Mensch nie
die Wüste bezwingen können, wäre die Sahara menschenleer geblieben und
zwischen Schwarzafrika und dem Mittelmeergebiet ein toter Raum entstanden, der
jeglichen Kontakt zwischen den beiden Kulturkreisen unmöglich gemacht hätte.
Bei den Tuareg haben die Frauen die Hosen an!
Die hier genannte Überschrift ist
natürlich nur im übertragenen Sinne zu verstehen. Bei den Tuareg herrscht
jedoch tatsächlich die Frau in der Beziehung vor. Das Ansehen der Familie ist
beispielsweise durch das der Frau bestimmt. Auch wenn eine Frau von ihrem Mann
"genug hat", darf sie sich so zu sagen von ihm scheiden lassen, indem
sie ihn bittet sie zu "verstoßen". Die Frau heiratet bei den Tuareg
außerdem sehr früh und manchmal auch ziemlich oft, in Extremfällen schon mit
12 Jahren und dann zwanzig bis dreißig mal. Dieses widerspricht sich jedoch mit
dem kulturellen Ideal, das bei lebenslanger Einehe steht und in dem Ehebruch
Unehre ist.
In der den Menschen zu
überwältigenden Einsamkeit und Trostlosigkeit der Sahara schöpfen die Tuareg
ihre große Lebenskraft und ihren Lebensoptimismus vor allem aus der Verbindung
zwischen Mann und Frau. Diese Verbindung wird bei Festen, wie zum Beispiel dem
Ahal, in zahlreichen Liedern besungen. Sie berichten meist von einem Mann, der
allein in der Wüste reitet und nur die Erinnerung an das Zusammensein mit
seiner geliebten Frau könne ihn die Einsamkeit der Wüste ertragen lassen.
Früher handelten wir mit Sklaven - heute mit Schmuck und Zigaretten
Die Musik und die Kunst der Tuareg sind sehr traditionsreich und wurden durch schwarzafrikanische Kulturkreise und den Geschmack europäischer Kunden beeinflusst. Beispielsweise ist es die einzige Arbeit der adligen Tuaregfrauen, Lederwaren herzustellen. Außerdem handelt das Nomadenvolk mit meist kreuzförmigen Silberanhängern. Dieser Schmuck ist sehr beliebt, weil er angeblich auch gegen böse Geister helfen soll.
Woran glauben Tuareg?
Die Tuareg glauben im Allgemeinen an die in Afrika viel verbreiteten Naturreligionen, zum Beispiel an Naturgeister und andere mythische Kräfte, und praktizieren außerdem locker den islamischen Glauben, d.h. sie besuchen nicht so oft Moscheen und müssen nicht wie andere dem Islam angehörigen Menschen unbedingt einmal in ihrem Leben nach Mekka. Allerdings befolgen die Tuareg strenge Speisevorschriften, zum Beispiel essen sie kein Schweinefleisch und trinken keinen Alkohol.
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